Philosophisches Seminar mit Prof. Dr. Decher

Gegenwartsliteratur:
Annie Ernaux: „Erinnerung eines Mädchens“ (2018) und
T. C. Boyle: „Das Licht“ (2019)
In dieser Veranstaltung werden wir uns mit zwei aktuellen literarischen Werken beschäftigen.
In Frankreich ist Annie Ernaux schon seit langem eine literarische Legende; hierzulande werden ihre Bücher gerade erst entdeckt. Dazu tragen vor allem der 2017 erschienene Roman „Die Jahre“ sowie die im Spätsommer 2018 veröffentlichte „Erinnerung eines Mädchens“ bei.

In diesem Buch versucht sie sich aus der zeitlichen Distanz von 55 Jahren dem damals 18-jährigen Mädchen zu nähern, das sie im Sommer 1958 war, als sie als Betreuerin in einer Ferienkolonie arbeitete. Dort verliebte sie sich in einen der Betreuer, mit dem sie ihren ersten sexuellen Kontakt hatte. Da dieser sie fortan ignoriert, lässt sich die junge Annie auf andere ein – und ist schnell verfemt: Sie wird ausgegrenzt und verhöhnt.
Bei ihrer Suche nach ihrem früheren Ich – die zu einem „Gedächtnis der Scham“ wird – umkreist sich Annie Ernaux auf faszinierende Weise selbst, fragt nach dem Wirklichkeitsgehalt des Erlebten und Erinnerten und erkennt, dass sich das Erlebte, das Erinnerte und das Schreiben darüber nie gänzlich zur Deckung bringen lassen.
In den USA gilt der 1948 geborene T. C. Boyle als der Literaturstar seiner Generation. In seinem jüngsten Werk „Das Licht“ widmet er sich den frühen Experimenten mit LSD, der stärksten Bewusstseins verändernden Substanz, die die Menschheit je entdeckt hatte.
In den 1960er Jahren begann der Harvard-Psychologe Timothy Leary, ein Star, bei dem jeder studieren wollte, am „Zentrum für Persönlichkeitsforschung“, zunächst zu therapeutischen Zwecken, mit LSD zu experimentieren. Schon bald bildete sich um ihn ein innerer Kreis von Eingeweihten. Zu ihnen gehören im Roman auch der junge Psychologie-Doktorand Fitzhugh Loney und dessen Frau Joanie. Fitz wird mitgerissen von dem Rummel um Leary und teilt dessen Vision von einer Revolution des Bewusstseins und von einer von sozialen Zwängen losgelösten Lebensform. Zusammen mit seiner Familie folgt er Leary nach Mexiko und ist später Teil von Learys legendärer Kommune in Millbrook, New York. Dort gerät der ursprünglich therapeutische Einsatz von LSD immer mehr aus dem Blick und es etabliert sich eine Drogenkultur, die, statt in die erhoffte Befreiung zu führen, auf totalen Kontrollverlust zusteuert.
In seinem neuesten, mittlerweile siebzehnten Roman entfaltet Boyle ein grandioses Panorama der amerikanischen (Sub-)Kultur der 1960er Jahre, das auf den Leser eine ungemein suggestive Wirkung ausübt. Wie in seinen anderen Romanen sind auch hier die historischen Ereignisse und Personen hervorragend recherchiert. Zudem ist Boyle ein überaus präziser Beobachter, der seine Charaktere fein nuanciert schildert.
Eine Anmeldung der Teilnahme wird erbeten bis zum 27.01.2020 im Dekanatsbüro Siegen:
Tel. 0271-303710-10 oder E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Termin: Samstag, 08.02.2020, 11:00 - 18:00 Uhr
Ort: Siegen-Weidenau, Gemeindehaus Hl. Kreuz, Im kalten Born 8
Gebühr: 25,00 € (ermäßigt 10 €)
Referent: Prof. Dr. Friedhelm Decher

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