Nachrichten aus dem Dekanat – für das Dekanat

Stellungnahme des Dekanates Siegen zu neuesten Zahlen der Kirchenstatistik

Die Zahlen der am Freitag vorgetragenen Kirchenstatistik für Deutschland erfüllen auch das Dekanat Siegen mit Schmerz. Bischof Bätzings Reaktion, an diesen Zahlen gäbe es „nichts schön zu reden“, teilt das Dekanat. 272.771 Kirchenaustritte im Jahr 2019 bilden einen neuen Rekord. Weniger Taufen, weniger katholische Trauungen, weniger Erstkommunionen, weniger Firmungen, weniger katholische Beerdigungen.

Und vor allem: nur noch 9,1 % der katholischen Christen besuchen sonntags die Heilige Messe. Die Beichte wird in der Statistik schon gar nicht erwähnt, sie gilt als das verschwundene Sakrament.


Heute werden auch deutlich weniger Priester geweiht (zu meiner Zeit, Anfang der 1990 er Jahre, waren es noch 30 pro Jahr). Auch die 1.077 im Dekanat Siegen ausgetretenen Personen tun weh. Wie soll man auf diese Zahlen reagieren ?

Bischof Bätzing stellt die richtige Frage: „Wie kann Evangelisierung – NEU-Evangelisierung – unter getauften Katholiken gelingen ?“
Er liegt da ganz auf der Linie von Papst Franziskus, der in einem besorgten Brief an die Katholiken in Deutschland im vergangenen Jahr dazu aufrief, der Evangelisierung den ersten Platz einzuräumen. Vermutlich im Blick auf den „Synodalen Weg“ meinte er, dieser Aspekt sei viel wichtiger als Reformbemühungen innerkirchlicher Strukturen und Fragen.

Wie also reagieren ?

In Abwandlung eines Satzes des früheren französischen Bischofs Jacques Gaillot – „Eine Kirche, die nicht dient , dient zu nichts“, möchte ich sagen: „Eine Kirche, die nichts bietet, dienst zu nichts !“ Dahinter steht folgender Gedanke: Ein Katholik, der Freude an seinem Glauben und an der Kirche hat, ist nicht gewillt bzw. kommt überhaupt erst nicht auf den Gedanken, aus der Kirche auszutreten.

Er fühlt sich wohl in dieser Kirche,
- weil er weiß, dass diese Kirche es ist, die ihm seit 2000 Jahren die Frohe Botschaft übermittelt.
- weil er weiß, dass er ohne Gemeinschaft seinen Glauben nicht leben kann
- weil er weiß, dass unzählige Priester und Laienmitarbeiter und Katecheten in der Welt sich dafür einsetzen, auch unter Gefahr für ihr Leben, diesen Glauben weiter zu geben.
- weil er weiß, dass diese Kirche der Welt viel Humanes gebracht hat.

Gewiss, es gibt auch die Austretenden, die in einer echten finanziellen Notlage sind, und Kirchensteuern einsparen wollen. Manche Steuerberater sollen heute sogar explizit zu diesem Schritt raten.
Es gibt auch die, sie sich so sehr über die Fehler und Sünden des göttlichen Bodenpersonals ärgern, dass sie deswegen austreten. Und in der Tat, ist das viel Anlass zum  Skandal, was hier an Schlimmen, bis hin zu Verbrecherischem geschehen ist (Stichwort „Missbrauch“)

Fehler und Sünden hat es in dieser Kirche aber immer gegeben, angefangen beim ersten Papst: Petrus verleumdet Jesus, und bei Judas Iskariot liefert Jesus durch einen Kuss aus. Die ersten großen Sünder innerhalb der Kirche.

Es hat manche unwürdige Vertreter auf dem Stuhl des Petrus gegeben, aber dass wir trotz dessen mit Papst Franziskus den 266. Nachfolger des Petrus haben, ist für mich immer wieder ein Beweis: es geht weiter.

„Primat der Evangelisierung“ bedeutet:
Nur wer weiß, warum er zu dieser Kirche gehört,
- kommt auch nicht auf den Gedanken, sie zu verlassen.
- Hat auch wieder Lust, sonntags ihre Gemeinschaft zu suchen.

Es ist ja nicht zum ersten Mal, dass Papst Franziskus seine Gedanken der Kirche in Deutschland widmet: bereits beim Besuch der Bischöfe in Rom sprach er von der „Erosion des Glaubens“ in Deutschland. Und gab indirekt das Ziel aus: kümmert euch um die 90 % Getauften , die keinen Bezug mehr zu euch haben. Macht ihnen die Botschaft wieder attraktiv ! Lasst sie wieder verstehen, warum es sich lohnt, zu dieser Kirche zu gehören.

Im Dekanat Siegen haben wir – neben der guten Arbeit, den unsere Priester, Gemeindereferentinnen und Diakone gemeinsam mit den engagierten  Ehrenamtlichen in den Pfarreien leisten, mit vielen guten Initiativen – Orte des Glaubens geschaffen, an denen Menschen, die der Kirche fern stehen, wieder Zugang zu ihr finden können: das K³ (‚Katholische Kirche in der Stadt“), das Geistliche Zentrum „Eremitage Franziskus“, und jetzt die um das Stichwort Trauerseelsorge aufbauende entstehende Kolumbariumskirche. Weitere Orte sind die Katholische Hochschulgemeinde für unsere Studierenden und die Kliniken mit den Klinikseelsorgern. Dort gehen wir, ganz im Sinne des Papstes, den Menschen nach, um sie für die beste Botschaft der Welt zu gewinnen.
Gewiss, es gibt noch viel zu tun und weitere Orte als Seelsorgestationen zu entdecken, etwa die Schulen.
Deutschland ist zu einem Missionsland geworden. Jedem Ausgetreten und jedem, der zu den 90 % „Nicht – Praktizierenden“ gehört, möchten wir zurufen: „Lass dich einladen in diese Orte des Glaubens, nimm Kontakt zu deiner Pfarrei auf, und entdecke die Schönheit des Glaubens !“

»Das Gebot der Stunde«, sagt Papst Franziskus in seiner Antrittsenzyklika Evangelii Gaudium, »ist die pastorale Neuausrichtung, also dafür zu sorgen, dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des ›Aufbruchs‹ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet«.

Dieser Aufruf des Papstes kann so etwas wie eine Leitlinie auf die aktuelle Kirchenstatistik sein.

Karl-Hans Köhle, Dechant
28. Juni 2020

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